News aus dem Kanton St. Gallen
Alpstein

Von der Einsiedelei zum Influencer Hotspot

von Reto Wälter
min
22.10.2026
Einsamkeit in der Natur findet man in der dicht besiedelten Schweiz am ehesten in den Bergen, wo steile, nur zu Fuss begehbare Wege Distanz zur Zivilisation schaffen. Anders auf dem Äscher, dem Restaurant, das buchstäblich an der Felswand klebt.

 Von der Ebenalp ist der Weg durch die Wildkirchli-Höhle und an der Kapelle vorbei spaziergängertauglich. Der St. Galler Reformator Vadian nannte die Grotte 1524 erstmals «Wildkirchli» – Sennen nutzten sie als Andachtsort. 1621 baute Kapuzinerpater Philipp Tanner sie mithilfe der Innerrhoder Behörden zur Wallfahrtskapelle St. Michael aus. Seit der Barockzeit ist der Ort im Alpstein also erschlossen und beliebt.

Einsamkeit und Einkehr herrschten ab 1658, als Paulus Ulmann, Pfarrer von Appenzell, empört vom Sittenzerfall als erster offizieller Einsiedler in die Höhle zog; rund zwei Dutzend weitere folgten bis 1853. Ulmann war es auch, der die Wildkirchli-Stiftung  bereits 1679 gründete: Sie besteht bis heute.

 

Die Kapelle St. Michael hat in der Altarhöhle 35 Plätze. Die Grotten im Wildkirchli werden schon seit Jahrhunderten als Andachtsstätten genutzt.

 

Ab 1800 wurde der Ort zum beliebten Ausflugsort, die Eremiten zu den ersten Fremdenführern des Alpsteins. Berggasthaus (1860) und Bahnen nach Wasserauen (1912) und auf die Ebenalp (1955) kurbelten den Tourismus an. Zum Instagram-Hotspot wurde der Äscher 2015 als Cover des National-Geographic-Buchs «Destinations of a Lifetime», also Reiseziele fürs Leben. Im Untertitel hiess es: 225 der erstaunlichsten Orte der Welt. Influencer weltweit überbieten sich seither mit Bildern vom Äscher. Stille und Einsamkeit kehren nur im Winter zurück: Dann ist das Gasthaus geschlossen, die rutschigen, lawinen- und steinschlaggefährdeten Wege sind gesperrt.

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