Zurück in den nostalgischen Gefilden der Kindheit
Es war ein Kindheitstraum: Gezogen von flinken Delfinen, düste ich im kleinen Boot kreuz und quer durch das Salzwasserbecken. Ein Traum, den ich mit vielen Kindern meiner Generation teilte. Ein Traum, der nur am Geburtstag in Erfüllung ging: Nur Geburtstagskinder durften im Rapperswiler Kinderzoo im Delfinboot mitfahren. Und manch ein Kind – so ist mir zu Ohren gekommen – habe bei der Angabe des Geburtsdatums geflunkert, um den ersehnten Platz im heiligen Boot zu ergattern.
«Herr Nilsson» begeistert
Heute ist der einstige Kindheitstraum nur noch verschwommene Erinnerung. Die Delfine sind aus Rapperswil verschwunden. 1998 verlegte der Zoo die letzten Tiere nach Spanien. Danach kamen die Seelöwen und boten eine neue Show. Bis 2019 hielten sie die Stellung, dann wurden auch sie nach Spanien verfrachtet. Doch in kindgebliebenen Herzen leben die Meeressäuger weiter. Ich aber bin nun zurück in den Gefilden der nostalgischen Kindheit. Zusammen mit einer Expertin für Kindheitsträume: meiner sechsjährigen Begleitung.
«Herr Nilsson», ruft meine Begleiterin bei den Totenkopfäffchen begeistert. Foto: sd
Das einstige Herzstück – das Gebäude, wo früher die Delfine rumtollten – überragt alles. Knies Zauberhut, so der Name des Neubaus, ist eine Mischung aus Tempel, Arche und Hut. Dort gibt es ein Zookino; zudem Konzerte und Sonderveranstaltungen. Vor zwei Jahren wurde «Pippi Langstrumpf» aufgeführt, sehr zur Begeisterung meiner Begleiterin.
Apropos Pippi Langstrumpf: Versteckt hinter Geparden und Pinguinen leben im Kinderzoo Totenkopfaffen, die jede Kennerin des Klassikers von Astrid Lindgren sofort erkennt. «Herr Nilsson!», ruft meine Begleitung begeistert.
Füttern statt reiten
Der Rapperswiler Kinderzoo gehört zum Winterquartier des Zirkus Knie. Die Tiere des Nationalzirkus konnten hier überwintern. Auch heute ist der Kinderzoo ausgelegt auf die Begegnung mit Tieren. Pony- und Kamelreiten (CHF 4.–) etwa stehen nach wie vor im Angebot. Andere Attraktionen haben sich gewandelt: Die Elefanten kann man seit diesem Jahr nicht mehr reiten, dafür gibt es eine begleitete Elefantenfütterung (CHF 5.–) und verschiedene kostenlose Tierpräsentationen.
Auch das altehrwürdige Rösslitram steht auf dem Abstellgleis. Das neue Tram fährt elektrisch. Und während man an den Tieren vorbeifährt (für CHF 4.–), hört man Geschichten zu ihnen ab Band. Viel bekommen wir davon aber nicht mit. Denn das Tram rattert derart, dass wir kaum ein Wort verstehen.
Betonikonen sind immer noch da
Der grösste Meeressäuger des Kinderzoos aber entging der Verlegung nach Spanien. Der riesige Steinwal – so alt wie der Kinderzoo selbst – lädt die Kinder ein, raufzuklettern und reinzukriechen. Drinnen fühlt man sich wie Jona im Wal. Überhaupt sind die Spielplätze für meine Begleiterin ein Höhepunkt: Fröhlich schaukelt sie unter einem Geparden, kriecht in den Rachen eines Dinos und legt sich als Piratin in Ketten. Ein Geheimtipp: Die Rutschbahn hinter dem Zauberhut geht mit der geeigneten Rutschtechnik richtig ab.
Zum Schluss verlassen wir den Kinderzoo durch die ikonische Betonmauer, die seit der Zooeröffnung 1962 den Eingang säumt. Einlassungen in Menschenform laden zum Betreten und Verlassen ein – grosse und kleine, gerade und schiefe, eine auf halber Höhe zum Durchklettern. Sie erinnern daran, dass eines der schrägsten Säugetiere im Kinderzoo täglich zu Besuch kommt: der Mensch.
Zurück in den nostalgischen Gefilden der Kindheit