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Kirche

Kirche als vielfältiges Kunstwerk

25.11.2021
Die Schaffhauser Kirche sucht nach Wegen, um den gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung zu tragen.

Den Auftakt zur Aussprachesynode in der Zwinglikirche zum Thema «Kirche der Zukunft» bildete das Referat von Sabrina Müller vom Zentrum für Kirchenentwicklung der Universität Zürich.Die Referentin ermutigte zu neuen Gedanken: «Der Grund für den aktuellen Zustand unserer Kirche liegt in den gesellschaftlichen Veränderungen », erklärte sie. Müller warnte davor, von der Problematik auszugehen, «es bringe nicht weiter, sich an den schrumpfenden Mitgliederzahlen zu orientieren. Auch Fusionen, die rein finanziell motiviert sind, sind nicht zielführend. » Sabrina Müller erinnerte mit einem Zitat des ehemaligen Erzbischofs von Canterbury, William Temple, an den zentralen Auftrag der Kirche: «Kirche ist die einzige Gemeinschaft und Institution, die nicht nur für ihre Mitglieder, sondern für alle Menschen da ist.» Sie verdeutlichte dies mit einem Zitat des deutscheTheologen Ernst Lange: «Es geht um das Relevantwerden der Christusverheissung für eine spezifische Situation.» Das bedeutet, Kirche kann auch ein kleiner Moment irgendwo im Alltag sein, in dem Menschen Spiritualität und Gemeinschaft erleben. «Die Frage lautet, wie die Christusverheissung für die Menschen relevant wird. Denn genau dort entsteht Kirche», betonte Müller. Die Theologin stellte Versuche aus der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland und der Evangelisch-lutherischen Kirche von Österreich vor, die Kirche mit Menschen zusammen zu entwickeln. So entstehen sogenannte Erprobungsräume. «Wir benötigen dafür Wertschätzung und Toleranz für andere Stile, die uns vielleicht selber nicht entsprechen.»

Um das umzusetzen, brauche es eine Veränderung der Kirchenstruktur. «Wenn wir Erneuerung wollen, brauchen wir keine fixen Modelle, sondern eine veränderte Haltung. Wir müssen uns trauen, gemeinsam etwas auszuprobieren und auch mal zu scheitern. Glauben und Leben gehören zusammen. Die Glaubwürdigkeit der Kirche zeigt sich in dem, was Menschen in ihrem Alltag erleben und erzählen.» Abschliessend verglich Müller die Kirche der Zukunft mit dem Bild eines biodiversen Waldes oder eines grossen Quilts aus vielen Teilen. «Wir müssen die Kirche als Netzwerk stärken, die überregionale Zusammenarbeit wie auch die örtliche Präsenz fördern. Dann entsteht ein grosses Kunstwerk, das Kirche ist.»

Zukunftsfonds sorgt für die Mittel
Kirchenrätin Cornelia Busenhart zeigte sich beeindruckt vom Referat: «Es tut gut, zu hören, dass wir mit unseren Fragen nicht allein sind.» Im Schaffen von Erprobungsräumen sieht sie eine Chance: «Kirche darf überall dort sein, wo Leute etwas einbringen, in dem sie gut sind und das sie freut.» Die Finanzen für solche Projekte stehen in Schaffhausen bereits durch den Zukunftsfonds bereit. Jetzt gilt es, eine entsprechend experimentierfreudige und wertschätzende Kultur aufzubauen und zu erproben. Der Kirchenrat beabsichtigt, diese Denkanstösse in seine Retraite aufzunehmen und im kommenden Frühling mit den Kirchgemeinden weiterzudiskutieren.

Am Nachmittag befassten sich die Synodalen mit der Frage, was konkret geschehen muss, damit zwischen Pfarramt, der Katechetik und der Sozialdiakonie eine engere Zusammenarbeit gelingen kann. «Die Veränderungen der Zukunft bringen alle Fachgruppen auf eine Ebene», so Busenhart. «Die Teamarbeit rückt damit ins Zentrum.» Das Ziel der Aussprachesynode waren «Sensibilisierung, Motivation, Aufbruch. Es sind alle gefragt, um an dieser Entwicklung mitzuarbeiten.»

Adriana Di Cesare


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