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Kirche

In den 1980-er Jahren erhielt Beat Antenen die Anfrage, einen Gottesdienst zu gestalten

Die Predigt als Event gestalten

01.01.2016
Seit bald 30 Jahren gestaltet Beat Antenen regelmässig Gottesdienste. Im Juli lud er zum 27. Berggottesdienst auf der Schwägalp ein, am 4. Advent wird er den Weihnachtsgottesdienst in St.Gallen-St.Laurenzen zelebrieren. «Eine Predigt erlebe ich nie als Monolog. Ich spüre die Nähe der Menschen und einen dialogischen Austausch mit ihnen», sagt er.

Der Stadt-Sanktgaller Beat Antenen wurde durch seine Sendungen in Funk und Fernsehen bekannt. Ab 1973 waren die ersten Reportagen des damals 19-jährigen freien Journalisten im Radio zu hören. Bald stand er auch beim Fernsehen vor der Kamera. Hunderten von Sendungen drückte er seinen Stempel auf: Unter anderem präsentierte er das «Sport-Panorama», «Landuf – Landab» oder die nationale Sendung zum 1. August. Ab 2010 konzentrierte er sich vermehrt auf seine eigenen Projekte. Seit rund fünf Jahren widmet er sich fast ausschliesslich grossen Events und Gala-Anlässen.

Predigt als Medienereignis
Irgendwann in den 80er-Jahren erhielt Beat Antenen erstmals die Anfrage, einen Gottesdienst zu gestalten. «Wie es dazu gekommen ist, kann ich nicht mehr im Detail sagen. Meine Bekannt- heit als Fernsehmann hat sicher eine Rolle gespielt. Andererseits hatte ich durch meine journalistische Tätigkeit immer auch Kontakte zur Kirche. Mein erster Gottesdienst fand jedenfalls im Appenzellerland statt.»

Das Medienecho auf Beat Antenen als Prediger war in der ganzen Schweiz gross. Zeitungen, Radio und Fernsehen berichteten über die Auftritte «auf der Kanzel», die Kirchenbänke füllten sich von Mal zu Mal. «Der Promi-Bonus trug anfangs sicherlich dazu bei, dass die Menschen in die Gottesdienste strömten. Ich bin aber überzeugt, dass sie heute aus einem anderen Grund kommen. Nicht meine Person zieht sie an, sondern das Erlebnis während des Gottesdienstes.»

Zur Tradition geworden

Was eher zufällig begann, entwickelte sich für Beat Antenen zu einer liebgewordenen Aufgabe. «Ich bildete mich theologisch weiter und besuchte entsprechende Kurse der Kantonalkirche.» Viele Gottesdienste in der ganzen Schweiz folgten, einige sind zur festen Tradition geworden. So haben der Berggottesdienst auf der Schwägalp oder der Weihnachtsgottesdienst in St.Laurenzen seit bald drei Jahrzehnten einen festen Platz in seinem Terminkalender.

Noch immer erhalte er viele Anfragen zur Gestaltung von Taufen, Trauungen und Beerdigungen. «In diesen Bereichen bin ich sehr zurückhaltend. Weltliche Trauungen lehne ich beispielsweise kategorisch ab.» Keine Frage war für ihn, der Bitte von Kurt Felix nachzukommen, seine Abschiedsfeier zu arrangieren. «Er war ein Fernseh-Profi, der genau wusste, dass seine Abdankung eine organisatorische Herausforderung sein würde.» Dankbar sei er, betont Beat Antenen, dass sowohl die Familie als auch die Freunde und prominenten Gäste von einem grossen Medientumult verschont geblieben seien und in Ruhe und Würde hätten Abschied nehmen können.

Eventerfahrung hilft
Rund zwei bis drei Tage investiert Beat Antenen für die Organisation eines Gottesdienstes und das Verfassen der Predigt. «Meine Erfahrungen im TV- und Eventbereich sind dabei sehr hilfreich. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass ein Gottesdienst nicht viel mit einer Gala­show zu tun hat. Damit sie gelingen, ist aber bei beiden wichtig, dass man das Publikum kennt, die Dramaturgie stimmt, die Übergänge mit­einander kooperieren und der Ablauf zeitlich nicht aus dem Ruder läuft.» Bei einer Galashow liege der Schwerpunkt vielleicht etwas mehr auf der Unterhaltung, und dennoch dürfe der Tiefgang nicht fehlen. Beim Gottesdienst stehe der Tiefgang im Vordergrund, und doch spiele auch da der unterhaltende Teil eine wichtige Rolle.  

Text: Claudia Schmid, St.Gallen | Foto: zVg   – Kirchenbote SG, September 2015

«Bibelworte geben Kraft»

Kibo: Sie sind als Laie zum Predigen gekommen und gestalten nach fast 30 Jahren noch immer Gottesdienste. Ist es zur Leidenschaft geworden?
Beat Antenen: Es hat bestimmt mit einer gewissen Leidenschaft zu tun. Jedoch muss ich auch sagen, dass ich – wie viele andere Menschen – ein Suchender bin. Aus diesem Grunde vermeide ich es, Jesusworte zu interpretieren. Zudem fehlt mir dazu ganz einfach das Fachwissen. Mir geht es vielmehr darum, ein aktuelles Thema aufzugreifen und das passende Bibelwort in die heutige Zeit zu transferieren.

In einem Gottesdienst auf der Schwägalp haben Sie den Aufruf «Getrauen Sie sich, über Gott zu reden» formuliert. Was motivierte Sie zu diesem Appell?
Ich finde es sehr bedauerlich, dass der Glaube immer mehr losgelöst vom Alltag ist. Ich bin ja kein hauptberuflicher Pfarrer, sondern schreibe drei- oder viermal pro Jahr eine Predigt. Sitze ich am Computer und beschäftige mich konzentriert mit den ausgewählten Bibelworten, merke ich, wie sich etwas in mir verändert. Ich finde die Worte Jesu in ihrer Kürze und Dichte unheimlich klar und weitsichtig. In diesem Sinne erscheint es mir lohnenswert, den Inhalt dieser Texte weiterzugeben.

In unserem Gespräch haben Sie gesagt, ganz gleich ob Galashow oder Gottesdienst, man müsse das Publikum kennen? Was wissen Sie von Ihrem Gottesdienst-Publikum?
Zum einen erhalte ich nach jedem Gottesdienst sehr viele Rückmeldungen. Zum anderen gebe ich jede meiner Predigten erfahrenen Pfarrleuten zum Gegenlesen. Ein Pfarrer hat mir schon früh den Rat gegeben, ich solle nie vergessen, dass sich im Gottesdienst immer zahlreiche Menschen befänden, die Trost benötigten. Je nachdem, wie sich die Weltlage zeigt, scheue ich mich nicht, in den Predigten unbequeme Themen anzusprechen. In einem Adventsgottesdienst habe ich beispielsweise angesichts der vielen Kriege auf der Welt die Frage aufgeworfen «Warum lässt Gott das zu?». Auch bei solchen Themen, auf die es keine oder zumindest keine einfachen Antworten gibt, ist es wichtig, den Menschen Wege zur Zuversicht aufzuzeigen.

Wie wählen Sie ihre Themen aus?
Da gehe ich sehr journalistisch vor. Ich habe einen Fundus an Themen, Inputs und Anregungen, die ich während des Jahres sammle. Die meisten handeln von Begebenheiten, die direkt aus dem Leben gegriffen sind. Stichworte dazu sind Beziehungen, Neuorientierung, Zeitmanagement, Glaubens-Suche oder Trauer.


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