In Tüll, Rüschen und Spitzen
Als kleines Mädchen kroch Lilian Wehrle im Atelier unter die Hochzeitskleider, um zusammen mit ihren Brüdern Louis und Caspar nach heruntergefallenen Perlen zu suchen. Seit zwei Jahren führen die Geschwister nun Liluca, ein Fachgeschäft für Brautmode, Schuhe und Schmuck. Und so geht Lilian an der St.-Leonhard-Strasse in St. Gallen ein und aus, wo einst ihre Grossmutter mit «Meier Brautmode» ihre Kundinnen für das grosse Fest ausstaffierte.
Ehe ist bewusste Entscheidung
Bei den drei Geschwistern ist das Thema Heiraten allgegenwärtig – im Privatleben, im Freundeskreis und im Arbeitsalltag. Sie wissen: Die Ehe ist nicht aus der Mode gekommen. Doch der Schritt vor den Altar ist heute eine bewusste, tief empfundene Entscheidung und keine gesellschaftliche Vorgabe mehr. «Diesen Wandel spüren wir deutlich», sagt Lilian. Eines ist über die Generationen hinweg jedoch gleich geblieben: der Mädchentraum vieler Frauen, in einem atemberaubenden Kleid zu heiraten.
Der Kauf des Brautkleides ist traditionell Frauensache. Wenn es um die Wahl des perfekten Outfits geht, sind meist die Mutter, die beste Freundin, die Trauzeugin oder die ganze Familie mit dabei. Es empfiehlt sich, das Brautkleid rund acht Monate vor der Hochzeit auszusuchen. Bei Liluca begleitet eine persönliche Beraterin die Braut vom ersten Kennenlernen bis zu den letzten feinen Anpassungen kurz vor dem grossen Tag.
Der Einfluss der Influencer
Dank sozialen Medien, Influencern und Stars wissen die Bräute meist schon vor dem ersten Termin genau, was im Trend liegt. «Viele kommen mit einer festen Vorstellung zu uns, stellen dann aber bei der Anprobe fest, dass ein völlig anderer Stil viel besser zu ihnen passt», erzählt Louis. «Oder die Kundin kommt ins Geschäft, hat keine Vorstellung von ihrem Brautkleid und sie findet zusammen mit der Beraterin, was zu ihr passt.» Lilian ergänzt: «Das Wichtigste ist am Ende immer, dass sich die Person im Kleid rundum schön und wohlfühlt, um ihren grossen Tag unbeschwert geniessen zu können.»
Prinzessinnenstil und Basken-Taille
Obwohl Lilian, Louis und Caspar quasi im Brautgeschäft aufgewachsen sind, ist der Moment, in dem sich eine Braut für ihr Kleid entscheidet, noch immer für alle ein Hühnerhautmoment. «Besonders wenn die Braut, die Mutter oder die Trauzeugin beim Anblick der Braut ein Tränchen vergiessen, geht uns das jedes Mal nahe», erzählt Lilian.
Das Liluca-Team reist jedes Jahr zur Bridal Fashion Week nach Barcelona, um die neuesten Braut- und Festtagskleider auszuwählen. Die Kleider werden zu einem Grossteil in Europa hergestellt, vor allem in Spanien, Portugal und Osteuropa. Da die Kleider Lieferfristen von einigen Monaten haben, kauft das Team hier die Mode für die kommende Saison. Für die Einkäufer gilt es dabei, die Balance zwischen den Laufstegtrends und den realen Wünschen ihrer Kundinnen zu finden.
Im eigenen Atelier werden die Kleider dann an die jeweilige Braut angepasst. War die Brautmode in den letzten Jahren schlicht und schick, sind derzeit Prinzessinnenstil, Basken-
Taille und spanische Spitzen im Trend.
Erlebnisse statt Online-shopping
Auch wenn der Detailhandel generell in einer schwierigen Phase steckt, blicken Lilian, Louis und Caspar Wehrle voller Zuversicht nach vorn. Das Geschäft mit einst zwölf Modehäusern in der Schweiz ist zu einem familiären Unternehmen mit Sitz in Zürich und St. Gallen geworden. «Wir sind überzeugt, dass weiterhin geheiratet wird und Feste gefeiert werden, und setzen uns für das Vermächtnis unseres Vaters ein. Dazu gehört auch die soziale Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitenden», betont das Trio. In Zeiten von Online-Shopping hat Liluca einen Vorteil: Hier werden nicht einfach nur Kleider verkauft – hier werden Erlebnisse geschaffen.
In Tüll, Rüschen und Spitzen