Logo
Kultur

Dammbruch am See

Die Französische Revolution und der neue Kanton St. Gallen brachten auch Jona, das über 250 Jahre lang nur katholisch war, die Wende: Neue Rechte wie die Glaubens- und Gewerbefreiheit liessen das Bauerndorf erblühen. Die Aussaat vollzogen Reformierte.

Die Lichtgestalt für diesen Dammbruch am See hiess Christian Näf. Er kaufte die alte Hammerschmiede am Stadtbach und liess 1803 eine mechanische Spinnerei errichten. Noch heute erinnern die Initialen CN über dem Eingang seines Wohnhauses an der Spinnereistrasse 29 an den Toggenburger. Der Pionier stiess bei den Heimtextilarbeitern vorerst auf Widerstand. Später erwiesen sich die Fabrikanten wie Näf, die Brändlins Hürlimanns oder Bühlers als Wohltäter. 

«Die Konfirmanden wurden zu Beginn ins reformierte Rüti in den Unterricht geschickt.»

Aus dem Zürcher Oberland
In der Blütezeit der Spinnerei surrten mehr als 12 600 Spindeln. Doch woher nahm Jona die Heerscharen von Arbeiterinnen und Arbeitern? Es waren zum Grossteil reformierte Heimwerker aus dem Zürcher Oberland, die an den See strömten. 13 Stunden pro Tag, sechs Tage die Woche standen Männer, Frauen und noch mehr Kinder an den Maschinen. Um sie unterzubringen, wurden für sie Kosthäuser gebaut. «Sie lebten darin genau so lange, wie sie in der Fabrik beschäftigt waren», sagte Markus Thurnherr, der die Stadtführung am 1. Juni leitete. 

Schulen und eine eigene Kirche
Allein, es fehlte die Bildung. Die Katholischen holten sie sich im Herrenberg in Rapperswil. Jona verweigerte den Reformierten ein Schulhaus. Daraufhin stellte ihnen Fabrikant Brändlin einen Fabrikraum zur Verfügung. Doch die «Winkelschule» platzte schnell aus allen Nähten. Nach der Gründung der evang. Schulgemeinde 1835, stand zehn Jahre später ein neues Schulhaus mit Kletterstange da. Der Pfarrer verlangte von allen Kindern, dass sie schwimmen können. 1842 durften die Reformierten ihre eigene neue Kirche einweihen; bis 1830 hatte die Stadtbehörde eine evang. «Filialkirche» noch abgelehnt. Schliesslich errichteten die Reformierten 1950 die parkähnliche Schulanlage mit Turnhalle in den Hanfländern. Alle Bauten, auch das Kirchgemeindehaus aus dem Jahr 1964, durften immer auf die Unterstützung der reformierten Industriellen zählen. Wie grosszügig sie waren, widerspiegelt sich in den klingenden Namen der Architekten: Kunkler, Bitterli, Oeschger. 

Ankedotenreich
Der über 80-jährige Thurnherr, der für die evang. Kirchgemeinde Rapperswil-Jona die Führung zusammenstellte, erzählte anekdotenreich, packend, bildhaft, als wäre er ein wandelndes Lexikon. Darin stand auch, dass die konfessionell getrennten Schulen, als letzte im Kanton – 1982 – zusammenfanden.

 

Text | Foto: Katharina Meier  – Kirchenbote SG, September 2018

 


Von roundabout SG-APP (Rahel Schwarz) erfasst am 14.09 2018 11:50

Danke!

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels. Wir freuen uns über jedes interessierte Mädchen, über neue Partnerorganisationen oder Workshop-Anfragen. Freundliche Grüsse Rahel Schwarz kantonale Leiterin roundabout SG-APP

Kommentar erstellen
KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Mutiger Junge gesucht!  | Artikel

Für die Schweizer Uraufführung des Pop-Oratoriums «Luther» am 3. November in der Olma-Halle St. Gallen wird ein mutiger Knabe zwischen zehn und 12 Jahren gesucht, der in einer kurzen Szene den jungen Martin Luther verkörpert. Dafür findet am Dienstagnachmittag, 11. September, um 17 Uhr, ein Casting statt. Weitere Informationen siehe http://www.luther-oratorium.ch/artikel/details/mutige-jungs-gesucht/.

Interessierte melden sich unter musik@ref-sg.ch

 


Luther Oratorium in St. Gallen – Die Proben sind angelaufen!  | Artikel

Ein Pop-Oratorium über den Reformator Martin Luther wird am 3. November erstmals in der Schweiz aufgeführt. Für das Projekt in St. Gallen wurden  Sängerinnen und Sänger gesucht und schnell gefunden. Die erste Probe hat bereits stattgefunden, es gilt die eingängigen Melodien mehrstimmig zu üben, auf dass die Aufführungen am 3. November in den Olma-Hallen glücken.

www.luther-oratorium.ch

 

Mehr Impressionen von der ersten Probe finden sie hier.


Zwitschern Sie mit!  | Artikel

Seit Ende September lädt der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) die Bevölkerung ein, über den Glauben nachzudenken. Dies geschieht mit einer Plakatkampagne oder mit den zwölf theologischen Kurzbotschaften, den Glaubenstweets. Lassen Sie sich vom Gezwitscher inspirieren!


Bike und Bibel  | Artikel

Die St.Galler Kantonalkirche nahm 2003 einen Trend vorweg. Als der Begriff E-Bike noch in den Sternen stand, setzte sie aufs Fahrrad und eröffnete den Bibel-Veloweg. Zeit also, ihn wieder in Erinnerung zu rufen und sich auf das Velo zu schwingen, eine Tour zu unternehmen. Mehr erfahren Sie hier.

Der Flyer und die Velokarte dazu