News aus dem Kanton St. Gallen

Gottesdienst – ohne Predigt und ohne Pfarrer

von Stefan Degen
min
28.05.2024
Eine neue Weiterbildung der St.  Galler Kirche will interessierten Nichttheologen das Rüstzeug mitgeben, um eigenständig Gottesdienste zu gestalten. Hilft das, den drohenden Pfarrermangel abzufedern?

In den reformierten Kirchen der Schweiz zeichnet sich ein Pfarrermangel ab. Viele Pfarrpersonen werden in den nächsten Jahren pensioniert und der Nachwuchs an den theologischen Fakultäten wird die entstehende Lücke kaum füllen können. Der Fachkräftemangel ist denn auch Gegenstand eines Postulates, das der St. Galler Kirchenrat an der Sommersynode beantworten wird.

Feier ohne Pfarrer und Predigt

Derweil geht die Arbeitsstelle Pastorales der St. Galler Kantonalkirche in Sachen Gottesdienst bereits neue Wege. «Sharing Community» heisst das Konzept. Die Idee: Kleine Teams von Interessierten gestalten Gottesdienste selbst – ganz ohne Pfarrerin und Pfarrer. «Sharing Community ist eine partizipative liturgische Feier, die neben dem Predigtgottesdienst die Gottesdienstlandschaft bereichern wird», erklärt Uwe Habenicht. Der St. Galler Pfarrer ist Beauftragter für Pastorales der Kantonalkirche. Sharing Community sei keine Konkurrenz zum traditionellen Gottesdienst, sondern eine Ergänzung, präzisiert er. «Die geplanten Feiern beziehen die Menschen mit ein, sind vielfältig und bunt», so Habenicht. «In diesem neuen Format werden Dialog, Erfahrungsaustausch und das gemeinsame Hören auf biblische Geschichten im Mittelpunkt stehen.» Eine Predigt wie im herkömmlichen Gottesdienst gebe es nicht. Sharing Community könne mal meditativ und musikalisch, mal dialogisch und mit Interviews spezieller Gäste oder auch in der Natur gefeiert werden. «Das hängt von der Zusammensetzung der Equipe ab, die die gemeinsame Feier vorbereitet.»

Vier bis sechs Tage Weiterbildung

In einer Weiterbildung können Interessierte nun das nötige Handwerkszeug erlernen, das es dafür braucht. Sie umfasst  vier bis sechs Tage und startet im Herbst. «Die Teilnehmenden können zwischen verschiedenen Modulen auswählen», sagt Habenicht: «Wollen sie die liturgische Rolle vertiefen, wo Gebet, Lesung und Segen im Vordergrund stehen? Bei der Rolle als Wegbegleiterin hingegen stehen Storytelling und Dialog im Vordergrund.» Ein drittes Wahlmodul beinhaltet eine seelsorgerliche Grundausbildung.

Löst Sharing Community nun das Problem des Pfarrermangels? «Nein», sagt Pfarrer Uwe Habenicht, «aber es bereichert das Gemeindeleben. Ich hoffe, dass wir viele Pioniere finden, die sich auf diesen spannenden Weg einlassen.»

www.sharing-community.ch

Unsere Empfehlungen

Wie heissen sie, die im Meer ertrinken?

Wie heissen sie, die im Meer ertrinken?

Wie in neun weiteren Städten der Schweiz findet in St.Gallen die Flüchtlings-Gedenkaktion «Beim Namen nennen» statt. Am kommenden Wochenende vom 8. und 9. Juni werden die Namen und die Todesursache von Flüchtenden genannt und ihre Namen aufgehängt. An der Aktion, die in und um die ...
Doch der Kauz oder gar die Kälte?

Doch der Kauz oder gar die Kälte?

Da hängen sie nun. Ein Pulk kleiner Fleischbällchen mit Fell, zitternd, mit angelegten Ohren. Doch statt der erwarteten imposanten Kolonie der Grossen Mausohren haben bis jetzt nur wenige Langohren in der Kirche Oberglatt bei Flawil Einzug gehalten.