Intrigen, Affären und uneheliche Kinder
Auftragsmord nach Ehebruch
Es ist die berühmteste Affäre in der Bibel: David, eine schillernde Gestalt zwischen Vorzeigekönig und Tyrann, sieht von seinem Palastdach in Jerusalem eine Frau, die sich wäscht: Batseba, die Frau eines hohen Offiziers. David lässt sie zu sich bringen, schläft mit ihr, sie wird schwanger. Danach versucht er, die Affäre zu vertuschen. Vergeblich. Schliesslich lässt David Batsebas Mann durch eine Intrige töten. Doch die Bibel goutiert das Gebaren des Tyrannen nicht: «Dem Herrn missfiel, was David getan hat», heisst es in 2. Samuel 11. Gott schickt den Propheten Natan zu David, um ihm den Spiegel vorzuhalten. Und was dachte wohl Batseba über die ganze Affäre? Darüber schweigt die Bibel.
Die Rache des Onkels
Im Paris des 12. Jahrhunderts verliebten sich der berĂĽhmte Theologe Peter Abaelard und seine hochbegabte SchĂĽlerin Heloisa ineinander. Es entwickelte sich eine leidenschaftliche Liebesbeziehung. Heloisa wurde schwanger und die Beziehung flog auf. Abaelard, der als Kleriker eigentlich enthaltsam leben sollte, versuchte, die Affäre zu regeln – vergeblich: Heloisas Onkel liess Abaelard ĂĽberfallen und kastrieren. Danach zogen sich Abaelard und Heloisa in Klöster zurĂĽck. Nach ihrem Tod wurden sie gemeinsam bestattet.Â
Der Papst und seine vielen KinderÂ
Papst Alexander VI. (1431 – 1503), auch bekannt als Rodrigo Borgia, machte aus seinem Liebesleben nie ein grosses Geheimnis. Obwohl für Päpste offiziell der Zölibat galt, hatte Borgia mehrere Geliebte und zahlreiche Kinder. Er erkannte seine Kinder an und verschaffte ihnen Ämter und Einfluss – Machtpolitik im damaligen Kirchenstaat. Nachgesagt wird diesem Papst gar eine inzestuöse Beziehung zu seiner Tochter. Historisch gesichert ist das aber nicht.
Reformator lässt Frau sitzen
Die Reformatoren haben den Pflichtzölibat abgeschafft. Luther und Zwingli, beides (ehemalige) katholische Geistliche, heirateten. Der Toggenburger aber nahm es schon vorher mit dem Zölibat nicht so genau. 1518 bestätigte er in einem Brief an einen Bekannten, in seiner Zeit in Einsiedeln ein Kind gezeugt zu haben. Unklar ist, ob er für den Sex bezahlt hatte. Nach damaligem Verständnis galt die Frau – die Tochter eines Barbiers – aufgrund wechselnder Sexualpartner ohnehin als Prostituierte. 1524, als Zwingli bereits fünf Jahre in Zürich wirkte, heiratete er dann die Witwe Anna Reinhart. Mit ihr hatte er vier Kinder. Über die Frau von Einsiedeln und das mit ihr gezeugte Kind ist hingegen kaum etwas bekannt. Zwingli kümmerte sich nicht um sie. Gewissensbisse scheint der Reformator deswegen nicht gehabt zu haben.
«Trinität» im Professorenhaus
Er gilt als Kirchenvater des 20. Jahrhunderts und war die theologische Koryphäe seiner Zeit: der reformierte Schweizer Karl Barth. In den 1920er-Jahren lernte der berühmte – und bereits verheiratete – Theologieprofessor Charlotte von Kirschbaum kennen. 1929 zog sie bei ihm, seiner Frau Nelly und seinen fünf Kindern ein. Barth und die beiden Frauen lebten fortan jahrzehntelang unter einem Dach, zunächst in Bonn, ab 1935 in Basel. Charlotte von Kirschbaum war Barths engste Vertraute und arbeitete bei seinem Monumentalwerk mit, der Kirchlichen Dogmatik. Briefe zeigen, wie eng Barth und von Kirschbaum verbunden waren. Ob die Beziehung auch körperlich war, ist nicht eindeutig belegt. Konfliktfrei war die «Dreier-WG der Theologie» aber nicht – und diskret ebenfalls nicht: In Theologenkreisen war die Dreiecksbeziehung ein offenes Geheimnis.
Die Affären des EKS-Präsidenten
Auch in jüngster Zeit sorgten Affären von Kirchenmännern für Schlagzeilen. So trat der damalige Präsident der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), Gottfried Locher, 2020 Knall auf Fall zurück. Erst nach und nach kamen die Gründe ans Licht: Locher hatte eine Affäre mit einer EKS-Angestellten, diese warf ihm Grenzverletzungen vor. Und just jenes Mitglied des EKS-Rates, das die Vorfälle untersuchen sollte, hatte ebenfalls ein Techtelmechtel mit Locher. «Es war eine Affäre mit seiner Aufpasserin!», titelte damals der «Blick». Eine von der EKS eingesetzte Untersuchungskommission kam zum Schluss, Locher habe als Vorgesetzter die EKS-Mitarbeiterin in ihrer sexuellen, psychischen und spirituellen Integrität verletzt. Eine Strafanzeige wurde nie eingereicht. Juristisch gilt für Locher die Unschuldsvermutung.
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