Geschichten zum Anfassen statt abstrakte Theologie
Ein Kind darf die Kerze anzünden. Seine Augen strahlen und die anderen Kinder schauen gebannt zu. Sie sind ruhig, aber voller Vorfreude auf die «Kinderfiir» mit Geschichten, Basteln und einem feinen Zvieri.
Nicole Schläpfer zeigt ein Bild, auf dem sie selbst im Alter von vier Jahren bei der Krabbelfeier abgebildet ist. Dazu der Spruch: «Gott ist oben, Gott ist unten, Gott ist rund um uns herum. Gott ist Liebe, Gott ist Freude, Gott ist auch in dir und mir.» Dieser Spruch begleitet sie seither.
Als ihre Mutter sie fragte, ob sie jemanden kenne, der sie bei der Organisation und Gestaltung der Kinderfiir in Heerbrugg unterstützen könnte, sagte Nicole spontan: «Ja, mich.» «Ich weiss noch, dass mir die Kirchennachmittage in meiner Kindheit unglaublich viel Freude gemacht haben», erinnert sie sich. «Es wäre schade, wenn die Kinder diese nicht mehr erleben könnten.» Mit ihrem Engagement für die «Kinderfiir» will Nicole Schläpfer einen Teil zur Gesellschaft beitragen – und zum Glauben.
Schuppen kleben und Kresse säen
Während ihre Mutter leidenschaftlich gerne Geschichten erzählt, übernimmt Nicole den kreativen Teil. Sie gestaltete ein neues Logo und bringt Ideen für Bastelarbeiten ein: «Ich finde es wichtig, dass die Kinder bei jeder Feier neben dem Zuhören auch etwas anfassen, sehen oder basteln können.»
Wenn ich sehe, dass ich die Kinder erreiche, wenn ich ihr Vertrauen spüre und sie immer voller Vorfreude auf die ‹Kinderfiir› sind, macht das auch mich glücklich
Immer dabei ist das Kamishibai, ein aus Japan stammendes «Papiertheater», mit dem man Geschichten bildhaft erzählen kann. «Dadurch können wir die Erzählungen den Kindern noch eindrücklicher vermitteln», erklärt sie. Passend dazu tun die Kinder etwas mit ihren Händen: Sie basteln und zeichnen, bemalen Steine, kleben Schuppen auf den Regenbogenfisch oder säen Kresse aus.
Kinder stellen Rückfragen
Nicole Schläpfer geht es bei der Gestaltung der «Kinderfiir» nicht nur um den Glauben, sondern auch um das Leben und das Vermitteln von Werten: «Im Alter von drei bis sieben Jahren können Kinder mit Lebensweisheiten oft mehr anfangen als mit abstrakter Theologie.» So erzählte sie kürzlich das Bilderbuch «Mats und die Wundersteine» zum Thema «Nehmen und Geben» – eine Geschichte mit zwei unterschiedlichen Ausgängen. So erfuhren die Kinder, wie das Leben aussieht – wenn man teilt, und wenn man nicht teilt. «Solche Geschichten sind für Kinder wichtig, sie sind eine Brücke zum Glauben», ist Nicole überzeugt. Es freut die junge Frau, wenn die Kinder Rückfragen stellen oder wenn man ihre Freude spürt: «Wenn ich sehe, dass ich die Kinder erreiche, wenn ich ihr Vertrauen spüre und sie immer voller Vorfreude auf die ‹Kinderfiir› sind, macht das auch mich glücklich. Das ist Bestätigung dafür, dass mein Engagement Sinn stiftet.»
Glaube gibt Halt und Sicherheit
Das Mitgestalten der «Kinderfiir» ist nur eines der gesellschaftlichen Engagements von Nicole Schläpfer. In ihrer Freizeit spielt sie im Musikverein Klarinette, ist Leiterin in der Pfadi und im Turnverein. Dies alles macht sie mit grossem Spass. Es gehe meistens gut, ihre vielfältigen Engagements unter einen Hut zu bringen, erzählt die Gymnasiastin, die inmitten der Abschlussarbeiten steckt. Sie möchte Primarlehrerin werden und deshalb ab Herbst die Pädagogische Hochschule besuchen. Fixpunkt in ihrem Leben ist bei all ihren Unternehmungen der Glaube: «Er gibt mir Halt und Sicherheit.»
Geschichten zum Anfassen statt abstrakte Theologie