News aus dem Kanton St. Gallen

«Getraut euch!»

von Diego Müggler, Zivildienstleistender in der St. Galler Kantonalkirche
min
30.05.2026
Nach einem halben Jahr Praktikum in einer Kirchgemeinde hält Daria Hänni Rückschau. Im Interview erzählt die 21-Jährige angehende Sozialpädagogin, was Kirche für sie bedeutet und was im Praktikum nervte.

Daria Hänni, du hast dich für ein Praktikum bei der Kirche entschieden. Weshalb?

Ich studiere Sozialpädagogik an der Fachhochschule OST. Am sogenannten Markt der Möglichkeiten präsentieren sich dort einmal im Jahr mögliche Arbeitgeber und Praktikumsbetriebe. Schnell bin ich beim Stand der reformierten Kirche gelandet und ins Gespräch gekommen.

Was gefällt dir an der Sozialpädagogik?

Für mich war seit klein auf klar, dass ich eine Arbeit verrichten will, bei welcher der Mensch im Zentrum steht.

Als Sozialpädagogin gibt es viele mögliche Arbeitgeber. Nochmals: weshalb die Kirche?

Ich bin selbst aktives Kirchenmitglied und pflege einen aktiven Glauben. Ich bin in einer sehr lebendigen Kirchgemeinde zu Hause. Für mich ist es ein grosses Miteinander. Viele meiner Freundschaften sind dort entstanden. Später will ich einmal in der Sozialdiakonie arbeiten. So kann ich das Praktikum nutzen, um einen direkten Einblick zu erhalten.

Nach meiner Erfahrung sind die Kirchgemeinden sehr offen für Inputs von jungen Menschen und sie bieten sehr viele Möglichkeiten und Ressourcen, um Ideen umzusetzen.

Was bedeutet Kirche für dich?

Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft mit anderen Christinnen und Christen, die alle in eine ähnliche Richtung unterwegs sind. Für mich spielen die Gottesdienste eine wichtige Rolle. Aber nicht als Dienst von uns an Gott, sondern von Gott an uns. Er schenkt uns einen Ort der Ruhe und der Gemeinschaft. Dort findet man Leute, die einen unterstützen und für einen einstehen.

Wo siehst du die Kirche in fünf Jahren?

Ich hoffe auf eine lebendige und immer noch relevante Landeskirche, bei der die Diakonie eine wichtige Rolle spielt. Denn Diakonie ist für mich gelebte Nächstenliebe, das ist zentral. So können wir die Liebe Gottes den anderen Menschen weitergeben. Denn nur mit dem Sonntagmorgen erreicht man die Leute nicht. Die Kirche muss sich fragen, was die Nöte und Sorgen der Leute sind und was sie für sie tun kann.

Du hast dein Praktikum in der Kirchgemeinde Tablat in St. Gallen gemacht. Was tut die Kirche dort für die Menschen?

Wir im Tablat haben zwei eigene soziale Projekte. Das eine ist der «Warenkorb», eine Lebensmittelabgabe in Zusammenarbeit mit der Schweizer Tafel. Das andere ist das Projekt «Koala», ein Babykleider-Laden, bei dem Bedürftige kostenlos Ausrüstung für ihre Kleinsten beziehen können.

Vieles fand im Büro statt: vorbereiten, nachbereiten, Bürokram erledigen. Mir macht es deutlich mehr Spass, direkt in Kontakt mit den Menschen zu sein.

Wie sah dein Praktikumsalltag aus?

Neben diesen beiden Projekten arbeitete ich mit Kindern, Jugendlichen und Familien: in der Baby-Krabbelgruppe, beim Kaffee-Treff für Eltern, in Jugendlagern. Auch beim wöchentlichen Quartier-Zmittag half ich mit.

Was war das Coolste im Praktikum?

Der Familien-Zmittag. Ein Angebot, das sich nicht bloss an Kinder und Jugendliche richtet, sondern bei dem die ganze Familie eingebunden wird. Ich sah die Kinder am Vorabend bei der Jugendgruppe und am Tag darauf ass man gemeinsam mit ihnen und ihren Familien Zmittag.

Und was gefiel dir nicht?

Vieles fand im Büro statt: vorbereiten, nachbereiten, Bürokram erledigen. Mir macht es deutlich mehr Spass, direkt in Kontakt mit den Menschen zu sein. Die städtische Umgebung war für mich eine zusätzliche Herausforderung. Hier ist es deutlich anonymer als in ländlichen Gebieten.

Wie sieht deine berufliche Zukunft aus?

Nach dem Bachelor möchte ich an die höhere Fachschule Theologie, Diakonie und Soziales (TDS) in Aarau.

Zum Schluss: Was willst du anderen jungen Erwachsenen in der Kirche mitgeben?

Getraut euch! Wenn ihr etwas verändern wollt, reisst dies an. Nach meiner Erfahrung sind die Kirchgemeinden sehr offen für Inputs von jungen Menschen und sie bieten sehr viele Möglichkeiten und Ressourcen, um Ideen umzusetzen.

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