Jugendliche reden in Kirchenleitung mit
Sitzungsprotokolle, Budgetfragen und strategische Planungen: Das klingt im ersten Moment nicht nach der Freizeitgestaltung, wie man sie bei Oberstufen- und Kantonsschülern vermuten würde. Doch in der Kirchgemeinde Rorschach ist genau das seit zwölf Jahren Realität. Nach ihrer Konfirmation werden die jungen Erwachsenen jeweils angefragt, als Beisitzerin oder Beisitzer in der Kivo mitzuwirken. Svenja Hilfiker, Sascha Baur sowie Luan und Elia Baumann erzählen von ihren Erfahrungen.
Was hinter den Kulissen geschieht
«Uns interessiert es, was die Kivo macht. Wir waren neugierig auf die Abläufe hinter den Kulissen der Kirche», erzählen die vier Jugendlichen. «Unser grosser Bruder Noah war auch schon dabei und hat davon erzählt», sagt Elia Baumann und fügt schmunzelnd hinzu: «Aber was es wirklich bedeutet, im Kirchenvorstand zu arbeiten, bekommt man erst mit, wenn man selbst dabei ist.» Svenja Hilfiker war bis letzten Sommer Beisitzerin, Luan und Elia Baumann sowie Sascha Baur teilen sich noch bis Sommer das Amt auf – immer zwei von ihnen sind bei den Sitzungen dabei.
Man spürt, dass unsere Meinung geschätzt wird. Es hören immer alle Sitzungsteilnehmer gespannt zu.
Bildschirme und Budgetzahlen
Zehnmal im Jahr kommen die Mitglieder der Kivo Rorschach zusammen. Dabei geht es nicht nur um trockene Themen. «Zuerst muss man einfach mal reinhören», erinnert sich Elia Baumann. Doch schon bald wurden die Jugendlichen auch nach ihrer Meinung gefragt. «Dabei spürt man, dass unsere Meinung geschätzt wird», ist Svenja Hilfiker überzeugt. «Es hören immer alle Sitzungsteilnehmer gespannt zu, und wir dürfen immer ausreden», erzählt Elia Baumann, und Sascha Baur lobt die Sitzungskultur: «Man hat nie das Gefühl, etwas nicht sagen zu dürfen. Jede Meinung wird akzeptiert.» Die Jugendlichen können sich aktiv einbringen. Sascha zum Beispiel, als es um die Installation eines neuen Bildschirms in der Kirche ging.
Als Beisitzerin oder Beisitzer in der Kivo dabei zu sein ist durchaus auch mit Herausforderungen verbunden. Während die Jugendlichen die Einblicke in die internen Abläufe schätzen, sind andere Traktanden weniger greifbar. «Eher schwierig ist das Budget, die Finanzen und die ganzen Zahlen», sind sich die jungen Beisitzer einig. «Manchmal gibt es Themen, bei denen es einem schwerer fällt, dranzubleiben», so Sascha Baur.
Trotz der Komplexität des Amtes überwiegt der Stolz, ein Teil des Ganzen zu sein. «Überraschend war für mich, dass für die Kirchenvorsteherschaft kein Aufwand zu viel ist, egal, wie viele Stunden sie investieren und wie viel Arbeit die Mitglieder in der Zeit zwischen zwei Sitzungen erledigen müssen», stellt Elia Baumann fest. «Wir erfahren in der Kivo, dass die Kirche viel mehr ist als ein Gottesdienst», ergänzt Luan.
Kirche wird zum Mitmachprojekt
Besuchten die vier Jugendlichen die Gottesdienste im Hinblick auf die Konfirmation regelmässig, gehen sie heute eher sporadisch hin: an Weihnachten, Ostern, an spezielle Gottesdienste. Sascha Baur findet das Erntedankfest mit Herbstmarkt besonders schön. «Dort haben wir mitgeholfen, die Stände aufzustellen, und wir haben Pizza und Crêpes gebacken», erinnert sich Elia.
Die Mitarbeit in der Kivo hat die Sicht der Jugendlichen auf die Kirche verändert. «Durch den Einblick wurde ich viel interessierter und habe mich mit verschiedenen Themen auseinandergesetzt», so Svenja Hilfiker. Ihr freiwilliges Engagement in der Kirche gibt ihnen auch für die Zukunft viel: Sie haben Sitzungsabläufe kennengelernt, Einblicke in Zahlen erhalten und gelernt, höflich und respektvoll zu diskutieren. «Nun könnten wir uns vorstellen, zukünftig einmal selbst ein Amt in der Kirche zu übernehmen», sind sich die vier Jugendlichen einig.
Jugendliche reden in Kirchenleitung mit